Der Manuelskotten braucht das Wasser des Kaltenbachs

Anregungen aus der „Chronik der Bürgermeisterei Kronenberg“ 1877 von den Lehrern Johannes Holtmanns, A. Herold und C. Cassel von 1612 bis 1870.
Zusammengestellt von Günter Weise

1612 Strenge Kälte. Im Mai/Juni friert es, noch dickes Eis auf den Teichen.

1616 „Frühzeitigkeit“. Früchte reifen bei großer Dürre vor der Zeit.

1621 Das Jahr bringt einen sehr kalten Winter.

1640 Viele Erdbeben. Heißer Sommer. Alle Brunnen, Weiher und Bäche versiegen. Viele Menschen verhungern.

1683 Heißer Sommer mit anhaltender Dürre bringt unfruchtbares Jahr. Im Winter große Kälte von November bis März des folgenden Jahres. Bäume und Pflanzen erfrieren.

1709 Bäume erfrieren. Wasserräder sind vier Montae eingefroren.

1716 Viel Schnee und langer Frost. Alle Hämmer und Kotten stehen still. Im Sommer übermäßiger Regen mit geringer Ernte.

1739 Der Winter ist kalt und lang. Frost und Schnee von November bis Ende Mai.

1748 Ab Dreikönigstag 12 Wochen lang Frost bis Ende März. Am 3. März fällt nachmittags ein Prozent Fuß hoher Schnee. Es folgt strenge Kälte. Die Vögel erfrieren. Bis Mitte April hartgefrorene Erde.

1751 Am 5. bis 7. Februar fällt so viel Schnee wie seit Menschengedenken nicht mehr. Im Sommer regnet es fast ununterbrochen.

1754 Der März bringt starken Frost und hohen Schnee. Der Sommer ist regnerisch und kalt. Im Juni wird noch geheizt.

1755 Erdstöße auch hier. (Lissabon wird durch Erdbeben zerstört.)

1768 Strenge Kälte und hohe Sterblichkeit.

1771 ist ein Hungerjahr. Die Woche vor Ostern (31. März) ist so kalt, dass die Schleifer nicht arbeiten können. Vom 26. bis 30. März ist der Schnee tiefer als im Winter. Der 1. Mai ist dürr wie im Winter.

1785 Der Winter ist kalt und hat viel Schnee, von dem die Bäume durch den Schneedruck zerbersten. Der Schnee liegt von Weihnachten bis Mai.

1786 Anfang März große Kälte. Am 20. März fällt zwei Fuß hoher Schnee (64 cm). Im September fängt es schon wieder an zu schneien. Schlechte Ernte. Vom 1. November an friert es so stark, dass die Wupper gleich zufriert.

1788 Schöner Herbst. Dann dauernde Kälte vom 24. November bis Januar.

1795 Im ersten Koalitionskrieg verwandelt die feindliche Besetzung die blühende Landschaft in eine Wüste. Es herrscht große Not.

1847 Der Winter ist streng und anhaltend.

1853 Am Jahresende fällt so viel Schnee, dass eine Woche lang keine Post nach und von Elberfeld und Remscheid fahren kann.

1857 Große Not wegen anhaltender Trockenheit.

1861 Starke Nachtfröste vernichten die Hoffnung auf eine gute Ernte.

1863 Der August bringt eine ungewöhnlich große Hitze. 25 – 32° C im Schatten. Der Wassermangel wird immer drückender. Die Wasserräder stehen still. Die Brunnen am Born und in Herichhausen sind vollständig trocken. Viehbesitzer müssen das Wasser in Fässern auf Karren herbeischaffen. In jedem Haus muss für etwaige Feuergefahr ein Fass mit Wasser bereit stehen, meist von der „Belte“.

1864 Anfang Januar ist die Wupper zugefroren. Mitte Februar sehr hoher Schnee. Im August große Hitze und lange Zeit herrscht Wassermangel.

1868 Ostern – im April ist noch vollständig Winter. Fingerdickes Eis.

1870 Am 12. Februar zeigt das Thermometer 12 Grad Kälte. Die Wetteraufzeichnung wurden leider so nicht fortgeführt. Man weiß, dass zum Beispiel der Rhein 1941 bei Düsseldorf zugefroren war. Das gilt auch für die Bäche in Cronenberg.
Bei Frost muss das Eis in mühevoller Arbeit vom Wasserrad geschlagen werden. Bei starkem Frost steht es ganz still. Bei Dürre muss das Rad nass gehalten werden und oft gedreht werden. Nach wolkenbruchartigem Regen, wenn das Oberflächenwasser vom südöstlichen Cronenberg (ca. 20 Hektar) ungehindert in den Kaltenbach fließt, verwandelt sich der Bach in einen reissenden Fluss. Bäume werden entwurzelt, der Boden weggespült, Morast und Astwerk mitgerissen. Am Kotten schoss früher das Wasser über die Dammkrone. Daraufhin wurde das Flutschütz, der Überlauf, auf das Doppelte vergrößert. Am Eiskasten schließen Regler und Radschütz wegen dem Unrat schlecht.
Bei Wasserknappheit müssen die Schleifer warten, bis sich der Teich gefüllt hat, um wieder ein paar Stunden schleifen zu können. Bei vollständiger Dürre ist der Teich trocken. Das nutzen die Besitzer, um den Schlamm zu entfernen.

1902 Der Kotten erhält eine liegende Dampfmaschinen mit stehendem Kessel, weil bei größeren Aufträgen, einem Defekt am Wasserrad, bei Teichentschlammung, bei starkem Frost oder großer Trockenheit die Wasserkraft fehlt.

1934 Ein Dieselmotor verdrängt im Manuelskotten die Dampfmaschine.

1953 Drehstrom kommt ins Kaltenbachtal.

1958 Der Kotten erhält einen Elektromotor. Eine wertvolle Ergänzung zum Wasserrad, das weiterhin ein treuer Begleiter des Kottens bleibt.

1983 Die Freileitungen werden verstärkt. Der Dieselmotor wird vom Betrieb abgekoppelt, bleibt aber zum Glück an Ort und Stelle.

1995 Der Förderverein Manuelskotten, die Bergische Museumsbahnen und die Naturfreunde gründen die „Patenschaft Kaltenbach“ und machen auf die Missstände am Kaltenbach aufmerksam.

1990 erkennen einige technisch Interessierte die Bedeutung des Kottens mit seinem mächtigen Wasserrad.
Gründet sich der Förderverein, der mit Mitteln der NRW-Stiftung den Kotten erwirbt.

1992 überträgt der Förderverein den Kotten an die Stadt Wuppertal als Außenstelle des Stadthistorischen Museums. Das Wasserrad wird erneuert.

2008 Das Wasserrad bekommt dank des Fördervereins einen neue Welle.

2008 Ein Regenrückhaltebecken für den Kaltenbach ist oberhalb am Tennisplatz Unterkirchen gebaut worden. Das Becken fasst 2.300 Kubikmeter und bremst den Bach auf 75 Liter/Sekunde. Bei einer Fallhöhe von 1 m = 1 PS. Das Wasser fließt damit ruhiger und nimmt weniger Schlamm mit. Der Teich wird geschont, der Damm erneuert.



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