Der Manuelskotten in Wuppertal-Cronenberg

Manuelskotten
Mit dem Manuelskotten besitzt die Stadt Wuppertal ein industriegeschichtliches Denkmal besonderer Art. Eingebettet ins enge Tal des Kaltenbaches liegt der Kotten auf halbem Weg zwischen Cronenberg und Kohlfurth. Heute ist der Manuelskotten nicht nur die letzte mit einem Wasserrad betreibbare Anlage an diesem Bach, sondern im gesamten Stadtgebiet von Wuppertal. Um 1880 aber lagen allein am Kaltenbach insgesamt sechs Wasserkraftanlagen: zwei Hammerwerke, drei Schleifkotten und eine Mühle.

Der Eingangsbereich des Manuelskotten in Wuppertal Cronenberg
Der Manuelskotten ist die jüngste dieser Anlagen im Kaltenbachtal. Ein erster Kotten auf dem Gelände dürfte um 1850 errichtet worden sein. Ein genaueres Datum ließ sich bisher aus den Akten nicht ermitteln. 1867 kam das Gebäude mit dem dazugehörigen Gelände in den Besitz von Emanuel Morsbach (1837-1903). Er hatte in dem Kotten schon seine Lehrzeit verbracht und war anschließend dort als „Halblöhner“, d.h. für den halben Gewinn des Schleifers, tätig gewesen. Im Juli 1901 brannte dieser Kotten ab. Aber schon im folgenden Jahr wurde das heutige Gebäude einige Meter weiter bachaufwärts neu errichtet. In seinen besten Zeiten haben bis zu 28 Mann an den Naß- und Trockenschleifstellen im Untergeschoß und an den Pliest- und Polierscheiben im Obergeschoß des Kottens gearbeitet. Diese Schleifer waren zum größten Teil selbständig. Sie arbeiteten also auf eigene Rechnung und hatten den Arbeitsplatz und den Antrieb von den Eigentümern des Kottens stundenweise angemietet. Heute werden von einem Schleifer noch Cuttermesser, Spezialmesser für fleischverarbeitende Betriebe, im Auftrag eines Remscheider Unternehmens hergestellt.

Beim Manuelskotten handelt es sich um den letzten heute noch tätigen Schleifkotten auf Wuppertaler Stadtgebiet. Durch die verschiedenen Antriebsarten, die unter seinem Dach versammelt sind, ist er aber auch einmalig in der gesamten Region. Mit Wasserrad, ehemaliger Dampfmaschine, Dieselmotor, Generator und Elektromotor gibt er einen Überblick über die Geschichte der Energiegewinnung in den letzten einhundert Jahren.

Manuelskotten
Auf der Rückseite des Gebäudes befindet sich hinter einem gußeisernen Eishaus das oberschlächtige Wasserrad, das aus dem angrenzenden Stauteich gespeist wird. Das 12speichige Rad ist noch funktionstüchtig und setzt im Inneren des Kottens die Transmissionen in Bewegung, über die die Schleifsteine und Polierscheiben angetrieben wurden. Die Zahnräder, die die Kraft vom Wasserrad auf die Transmission übertragen, sind im Maschinenraum offen einsehbar. Ungewöhnlich ist die Verwendung eines Fliehkraftreglers an dieser wassergetriebenen Anlage, der das Regulierschott und damit die Umdrehungszahl des Wasserrades steuert. Neben der Übersetzung des Wasserrades befinden sich im Maschinenraum ein Dieselmotor (Anton Schlüter Motorenfabrik, München, 375 Umdrehungen/Min., 30 PS, Baujahr 1927), mit dem die Schleifsteine, die Pliest- und Poliereinrichtungen jahrzehntelang angetrieben wurden. An der Stelle des Dieselmotors stand bis 1934 das Gestänge einer Dampfmaschine, deren Kessel sich im benachbarten Raum befand.

Manuelskotten
Der Austausch der Dampfmaschine gegen den Dieselmotor fand anläßlich einer Erneuerung der Sheddächer im Jahr 1934 statt. Von der Dampfmaschine und dem Schornstein des Kesselhauses zeugen nur noch alte Fotografien. Als neueste Entwicklung wurde in den 1950er Jahren ein Elektromotor installiert, um die Anlage zu betreiben. Darüberhinaus hängt an der Transmission noch ein Generator für die elektrische Beleuchtung des Kottens.

Der Manuelskotten liegt im Tal des Kaltenbaches, der auf der Höhe von Wuppertal – Cronenberg entspringt. Er mündet beim Ortsteil Kohlfurth in die Wupper. Erreichbar ist der Kotten über einen schmalen Straßenzug (Kaltenbacher Hammer – Kaltenbacher Kotten – Friedrichshammer), der die Kohlfurth durch das Kaltenbachtal mit der Solinger Straße verbindet oder mit den Bergischen Museumsbahnen, die von der Kohlfurth durch das Kaltenbachtal eine historische Straßenbahnstecke befahren.

Der Manuelskotten – offiziell heißt er Kaltenbacher Kotten – ist nach dem schon erwähnten Vorbesitzer Emanuel Morsbach benannt. Mundartlich korrekt wird der Name Manewellskotten ausgesprochen. Seit 1993 gehört der Kotten der Stadt Wuppertal als Außenstelle des Historischen Zentrums. Erworben wurde er von seinen letzten Besitzern, den Familien Morsbach und Bergmann, mit Mitteln der Nordrhein-Westfalen-Stiftung durch das Engagement des „Fördervereins Manuelskotten“ (Vorsitz: Reinhard Grätz). Interessierte Bürger können dem Verein beitreten. Da ein Remscheider Unternehmen in ihm weiterhin seine Cuttermesser schleifen läßt, kann der Manuelskotten als „lebendes Museum“ weiter bestehen bleiben, d.h. die Produktion wird aufrecht erhalten, und auch die Gebäude samt Einrichtung bleiben weitgehend unverändert. Eingriffe in die Umgebung des Kottens wurden auf ein Minimum beschränkt, so daß insgesamt eine möglichst authentische Situation vorgestellt und für die Nachwelt gerettet werden konnte.

Der im Kotten tätige Schleifer, Herr Dirk Fromm, betreibt und wartet die Anlage. Er steht darüber hinaus auch für Führungen zu vorher festgelegten Zeiten sowie nach Vereinbarung zur Verfügung. Gedacht ist daran, besonders Schulklassen durch unmittelbare Anschauung Einblicke in die Arbeitswelt der bergischen Kleineisenindustrie zu vermitteln.

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