Cronenberg und der Manuelskotten im Cronenberger Kaltenbachtal

1050 Die Edelfrau Adelheid zu Velbert besitzt im Umland zwölf Hofschaften, darunter auch „Cronenberga“; der Krähenberg. Diese Besitztümer „überträgt“ sie der Kirche zu Werden an der Ruhr.
In Cronenberg, auch hier am Kaltenbach, wird manganhaltiges Erz geschürft und „em Dorpe“ zu Eisen verhüttet, das sich zum Sensenmachen eignet.

1240 Die Hanse in Lübeck erwähnt Sensen aus Cronenberg. Hinter manchen Häusern stehen Faustschmieden und Schleifkotten, in denen als Haupterwerb blanke „weiße“ Eisen-Stahl-Sensenblätter gefertigt werden.

1430 Der Erzbischof von Köln überträgt die Burg Elberfeld mit ihrer Filiale Cronenberg der Grafschaft Berg. Die Landesgrenze Morsbach fällt. Das Wappen der Grafen von Berg zeigt den roten Bergischen Löwen, aufrecht, mit blauer Krone, blauer Zunge, blauen Krallen und einem links geschlungenen Doppelschwanz.

1500 Um diese Zeit werden in dieser Gegend die ersten Wasserräder aufgestellt. Zuerst für Mühlen, dann für Schleifsteine, Blasebälge und Hämmer. In den Hammerwerken wird geschmiedet. In den Schleifkotten bekommen die Schmiedestücke an den Schleifsteinen den letzten Schliff, die nötige Schärfe und eine blanke „weiße“ Oberfläche, hier in Cronenberg hauptsächlich Sensenblätter.

1598 Im „Kirspel Kroymberg“ gibt das „Dickmühlchen an der Kaltenbach“ als Schatz- und Wachtgeld 8 Malter Hafer an die Burg Elberfeld.

1600 Herzog Johann Wilhelm I. von Jülich, Cleve, Berg vergibt an die Ämter Elberfeld, Beyenburg und Bornefeld das „Sensenprivileg“ und bestimmt Cronenberg als Zentrum der Sensenmacherei zum Gerichtsort. Jedes Jahr am 3. Oktober, dem St.Ewaldi-Tag (Sanktorum Ewaldorum), ist hier Sensenweihe mit Prozession, Jahrmarkt und zugleich Zusammenkunft des Sensenvogts mit seinen Ratsmännern und Handwerksboten, sowie mit den Schmieden, Schleifern und Kaufleuten aus der ganzen Bruderschaft.
Schmieden und Schleifkotten sind lt. Privileg getrennte Werkstätten.

1692 Ein Beleg erwähnt im Kaltenbachtal einen Betrieb mit Wasserrad. Bald werden es mehr sein. Um die Wasserkraft zu nutzen, verlegen die Schmiede und Schleifer allmählich ihre Werkstatt vom Haus an die Bäche und nehmen den langen Fußmarsch in Kauf.

1750 „Blaue“ leichte Ganzstahlsensen aus der Steiermark verdrängen die „weißen“ schweren Eisen-Stahl-Sensen aus Berg und Mark. Andere Artikel werden geschmiedet und geschliffen – und erlangen wiederum Weltruhm.

1755 Am Kaltenbach, in der „Hoffnung“, wird als sechste und letzte Wasserkraftanlage der „mittlere Kotten“ unterhalb vom Friedrichshammer und dem oberen Kotten errichtet.

1806 Cronenberg liegt auf der Strecke Paris – Moskau. Der unwegsame Hohlweg im Kaltenbachtal wird aufgegeben. Heerstraßen im Sinn, baut Napoleon mit Druck die Solinger Straße, die im Frieden eine bedeutende Handelsstraße wird.

1815 Das Großherzogtum Berg kommt zu Preußen.

1867 Emanuel Morsbach, erst Lehrling, dann „Halblöhner“, übernimmt von seinem Schwiegervater „Jan“ Friedrichs den mittleren Kotten, jetzt „Morsbachskotten“.

1877 Am Kaltenbach liegen 6 Wasserkraftanlagen. Nach den Familiennamen benannt der Friedrichshammer, Morsbachs-, Hölterhoffs-, Tescheskotten, weiter die Kaltenbacher Mühle und der Schütterhammer.
Mit der „Chronik der Bürgermeisterei Kronenberg“ macht Johannes Holtmanns mit seinen Kollegen A. Herold und C. Cassel Bürgern ein wertvolles Geschenk.

1898 Cronenberg wird wieder mit „C“ geschrieben. Wegen der häufigen Verwechslung mit dem Morsbacher Kotten am Morsbach wird der Morsbachskotten am Kaltenbach nach dem Vornamen des Besitzers „Emanuelskotten“ umbenannt, im Volksmund „Manuelskotten“. Die Bahnstation heißt Cronenberg/Rheinland.

1901 Der Manuelskotten brennt ab und wird vergrößert wieder aufgebaut. Durch die Knieschleiferei hat der Kotten eine große Bedeutung. In guten Zeiten arbeiten hier im Erdgeschoß an nass gehaltenen Schleifsteinen und im Obergeschoß an Pliest- und Polierböcken bis zu insgesamt 28 Mann; (Naat- und Drügschlieper).
Auch Maschinen, Geräte, Wasserrad, Teich und Bach, Wiese, Pferd und Wagen müssen betreut werden. Schleifer von außerhalb kommen in den Kotten und mieten stundenweise einen bestimmten Platz. Die verschiedenen Erzeugnisse verlangen eine spezielle Bearbeitung und somit bleibt jedes Teil „in eigener Verantwortung“. So muß der Besitzer des Kottens neben einem hohen technischen Wissen auch ein gutes kaufmännisches Gespür haben.

1902 Der Kotten erhält eine liegende Dampfmaschine mit stehendem Kessel, weil bei größeren Aufträgen, einem Defekt am Wasserrad, Teichentschlammung, starkem Frost oder großer Trockenheit schon mal die Wasserkraft fehlt.
Ein Fliehkraftregler findet auf einer Messe in Düsseldorf Gefallen und wird in die Wasserradanlage eingebaut, um einen gleichmäßigen Lauf der Schleifsteine auch bei Belastung zu gewähleisten.

1914 Die Straßenbahnstrecke Elberfeld – Solingen wird gebaut und durch das Kaltenbachtal geführt. Von der Haltestelle „Petrikshammer“ führt ein Weg fast ebenerdig zum Manuelskotten.

1926 Im Kotten sorgt ein Stromgenerator 110 Volt für elektrisches Licht.

1930 Naturschleifsteine werden verboten und gegen Kunststeine ausgetauscht.

1934 Ein Dieselmotor der Fa. Schlüter, München, Modelljahr 1927, Baujahr 1929, 30 PS, wird aufgestellt und verdrängt die aufwändig zu bedienende Dampfmaschine, die leider verschrottet wird. Mit den Ziegelsteinen des Schornsteins wird 1953 der Hof gepflastert, wo auch ein alter Naturschleifstein eingelassen wird.

1938 Der Petrikshammer, einst der Hölterhoffskotten, gibt auf und wird von der Fa. Küller übernommen. Der Name der Haltestelle „Petrikshammer“ bleibt.

1943 Das Kaltenbachtal bekommt über Freileitungen elektrisches Licht.

1953 Drehstrom 220 Volt wird verlegt, später 380 Volt Kraftstrom. Der Kotten bekommt einen Drehstrommotor, der durch seine schnelle Einsetzbarkeit eine gute Ergänzung zum Wasserrad ist.

1983 Die E-Leitungen werden verstärkt. Der Dieselmotor wird vom Betrieb abgekoppelt, bleibt aber zum Glück an Ort und Stelle.
Das Wasserrad aber ist all die Jahre ein treuer Begleiter des Manuelskotten geblieben. Ebenso geben die Transmissionen im Innern des Kottens mit all ihren Rädern, Treibriemen, Lagern, Konsolen und Pfeilern, draußen der Teich und die Wasserradanlage Einsicht in die Arbeit unserer Altvorderen.
Auch die verschiedenen Antriebsarten mit Wasser, Dampf, Diesel oder Strom im Manuelskotten legen Zeugnis ab vom Stand der jeweiligen Technik und von der Betriebsamkeit seiner Besitzer in den letzten hundert Jahren.

1990 Der Förderverein „Manuelskotten“ wird gegründet.

1993 Der Manuelskotten geht in den Besitz der Stadt Wupperal über und wird Filiale des „Historischen Zentrums“ an der Friedrich-Engels-Allee in Barmen.

1995 Der Dieselmotor wird von Cronenbergern gangbar gemacht und kann kurzzeitig angeworfen werden.

1998 Das „Industriedenkmal Manuelskotten“, das einzig in dieser Art in Wuppertal bestehende „lebende“ Museum, wird renoviert. Pünktlich zum Jubiläum: „950 Jahre Cronenberg und 400 Jahre Sensenprivileg“ anno 2000.
Im Kotten wird an Werktagen immer noch wie in alten Zeiten gearbeitet. Es werden u.a. für kleine wie große Metzgereien Spezialmesser geschliffen für „Cutter“ zum Zerkleinern von Fleisch, Messer zum Schneiden von Koteletts und Schneidwerkzeuge wie in Omas Fleischwolf, nur bedeutend größer.
Als Museum ist der Kotten von Mitte März bis Mitte Oktober am 2. und 4. Sonntag und an Feiertagen geöffnet. Es können Teichanlagen, Wasserrad, Getrieberaum, Schleifsteine, Transmissionen, Dampfmaschine, Dieselmotor, Elektromotor, Generator und die Arbeiten der Schleifer besichtigt werden.

2002 Der Manuelskotten kann wieder eine Dampfmaschine vorzeigen: Eine „Dingler“ von 1888 – 8 PS, die erste Dampfmaschine der FA. Luhns – Seifen, von der „Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft der Wuppertaler Stadtwerke“ aufgearbeitet und beneidet vom Stadtmuseum Zweibrücken.



zurück zur Startseite