Eisenverarbeitung im Bergischen Land

Das bergisch-märkische Hügelland ist reich an kleineren Eisenerzvorkommen, die vermutlich schon seit dem 10. Jahrhundert von den frühen Siedlern in unserer Gegend abgebaut wurden. Ursprünglich wurde das Erz im Tagebau gewonnen, später trieb man Stollen ins Gebirge, um den Erzgängen zu folgen. Die Relikte von Gruben, tollen und Pingen auf Remscheider und Wuppertaler Stadtgebiet legen bis heute Zeugnis ab von diesem frühen Bergbau in unserer Region. Auch im Kaltenbachtal finden sich noch die verfallenen Mundlöcher solcher Stollen.

Neben den Erzvorkommen stellte der schier unermeßliche Holzreichtum der Gegend den zweiten Rohstoff für das entstehendes Eisengewerbe dar. Das Eisen wurde mit Hilfe von Holzkohle und Sauerstoff (= Wind) in sogenannten Rennöfen aus dem erzhaltigen Gestein herausgeschmolzen. Sichtbare Überbleibsel dieser Tätigkeit sind Schlackenhalden. Sie konnten auf dem Gebiet der Stadt Wuppertal im Burgholz und im Gelpetal nachgewiesen werden. Urkundlich belegt ist, daß noch im Jahre 1642 im Morsbachtal eine Schmelzhütte errichtet. wurde. Als die Nachfrage nach Eisen und Stahl immer weiter stieg, wurde Roheisen aus dem Sauerland, später aus dem Siegerland eingeführt, um hier mit dem Hammer zu Stahl veredelt (raffiniert) zu werden. Besonders der Remscheider Raum wurde für die Stahlveredlung und die Herstellung von Halbfertigprodukten bekannt. In Solingen schmiedete man aus dem Stahl vornehmlich Schwerter, in Cronenberg Sensen. Den letzten Schliff, die nötige Schärfe und die polierte Oberfläche erhielten diese Schneidwaren am Schleifstein.

Ursprünglich wurde das Eisen mit der Hand geschmiedet und der Schleifstein vom Menschen selbst gedreht. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts ist in unserer Gegend erstmals von Wasserantrieb in einem solchen eisenverarbeitenden Betrieb die Rede. Vermutlich dürften die ältesten Wasserkraftanlagen aber schon vorher errichtet worden sein. In den folgenden Jahrhunderten wuchs die Zahl der Wasserräder an der Wupper und ihren Nebenbächen rapide an. Überall dort, wo ausreichend Wasser und Gefälle vorhanden war, wurde ein Wasserrad installiert, das Hammer oder Schleifstein in Bewegung setzte. Um 1860 gab es nach einer offiziellen Statistik im Gebiet der heutigen Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal 169 wassergetriebene Hämmer und 206 Schleifkotten. Am Kaltenbach ist ein solcher Betrieb mit Wasserrad erstmals für das Jahr 1692 belegt. Bis zu sechs Wasserkraftanlagen arbeiteten an diesem Bach gleichzeitig:
der Friedrichshammer, der Obere Kotten, der Mittlere Kotten (das ist der Manuelskotten) und der Untere Kotten (heute: Kaltenbacher Hammer), die Cronenberger Getreidemühle (später als Sägewerk genutzt) und der Schütterhammer.



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